Glossar

30.08.2021 Team LWL-Preußenmuseum

Haben Sie schon einmal etwas von einer Mikwe gehört? Oder was kosher eigentlich genau bedeutet? Was hat es wohl mit einem Tallit auf sich? Und was ist das Schma Jisrael?
Viele Begriffe, die mit dem Judentum in Verbindung stehen, sind für Menschen, die mit diesen Traditionen, Gegenständen oder Begriffen nicht täglich in Berührung kommen, eher unbekanntes Terrain. Mit diesem Glossar möchten wir dazu beitragen, das zu ändern. Wir haben für Sie die wichtigsten Begriffe der jüdischen Kultur kurz und verständlich aufbereitet und auch wer sich schon ein bisschen auskennt, wird noch Neues entdecken und dazulernen können.

Am Ende dieser Seite finden Sie unsere wissenschaftlichen Quellen. Stöbern Sie selbst in den Büchern, sie bieten eine prima Möglichkeit, sich in jüdische Traditionen, Bräuche und Begrifflichkeiten einzulesen. Wer uns ab November besuchen möchte, kann sich das Glossar auch ausdrucken und mit in die Ausstellungsräume nehmen.

Übrigens: Wiederholtes Reinklicken lohnt sich, denn wir werden die Begriffsliste kontinuierlich erweitern. Ihnen fehlt etwas oder Sie haben Fragen? Lassen Sie uns dies gerne wissen. Wir freuen uns auf Feedback! preussenmuseum@lwl.org
 




Aschkenasim
Jüdinnen und Juden und ihre Nachfahren aus Mittel-, Nord- und Osteuropa.




Antisemitismus
Nach der International Holocaust Remembrance Alliance „eine bestimmte Wahrnehmung von [Jüdinnen und] Juden, die sich als Hass gegenüber [Jüdinnen und] Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“



Bar Mitzwa
Religiöse Mündigkeit von jüdischen Jungen nach dem 13. Lebensjahr und deren Feier.



Brit Mila
Beschneidung von Jungen als Zeichen des Bundes mit Gott am achten Tag nach der Geburt.



Chanukka
Acht Tage andauerndes Lichterfest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. (bzw. im Jahr 3597 jüdischer Zeitrechnung), bei dem jeden Tag eine Kerze mehr angezündet wird, bis am Ende alle acht Lichter brennen.



Davidstern
Stern-Symbol mit vielen unterschiedlichen religiösen Bedeutungen, benannt nach König David. Heute ist es hauptsächlich ein Symbol für das Volk Israel und das Judentum.



Emanzipationsedikt
Erlass vom 11. März 1812, der es den in Preußen ansässigen Jüdinnen und Juden auf Antrag erlaubte, preußische:r Staatsbürger:in zu werden.



Halacha
Religionsgesetzliche Exegese des Talmud, die die 613 Ge- und Verbote (Mitzwot) der Tora als System umfasst.



Hebräisch
Sprache der heiligen Schrift. Das moderne Hebräisch ist heute Landesprache in Israel. Als Sprache der jüdischen Religion ist es in Synagogen auf der ganzen Welt zu hören.



Jiddisch
Alltagssprache, die seit dem Mittelalter hauptsächlich in Ost- und Westeuropa gesprochen wurde. Heute ist sie – auch durch jüdische Migrationsbewegungen – auf der ganzen Welt verbreitet, wird aber nur noch von sehr wenigen Menschen beherrscht.



Judentum
a) Religion, Traditionen und Lebensweise, Philosophie und Kultur von Jüdinnen und Juden.
b) Gesamtheit der Jüdinnen und Juden.



Kiddusch
Segensspruch über einem Becher Wein, mit dem der Schabbat und die jüdischen Feiertage eingeleitet wird.



Kippa
Runde Kopfbedeckung, die männliche Juden tragen müssen, wenn sie beten und Gottes Namen sprechen (z.B. bei einem Segenspruch). Viele tragen die Kippa auch dauerhaft, dies ist aber nicht vorgeschrieben.



Koscher
Alle Lebensmittel, die nach den jüdischen Speisegesetzen zum Verzehr erlaubt sind.



Lulav
Zweig einer Dattelpalme; der größte Zweig im Feststrauß für das Laubhüttenfest Sukkot. Der Strauß besteht aus vier Arten: Etrog (Zitronenfrucht), Myrtenzweig, Lulav (Dattelpalme) und Bachweide. Zusammen repräsentieren sie die Pflanzenwelt und sind ein Symbol für die Einheit des Volkes Israel.



Menora
Siebenarmiger Leuchter, eines der wichtigsten jüdischen Symbole.



Mesusa
Schriftkapsel, die an Türpfosten von jüdischen Haushalten zu finden ist. Darin befindet sich ein handgeschriebenes Gebet („Schma Jisrael“, dt. Höre Israel).



Mikwe
Tauchbad zur rituellen Reinigung durch vollständiges Untertauchen, meist in oder in der Nähe von Synagogen zu finden.



Mitzwa
Gebote im Judentum mit insgesamt 613 religiösen Pflichten, die sich in verschiedene Ge- und Verbote aufteilen.



Pessach
Eines der wichtigsten Feste des Judentums, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und ihre Befreiung aus der Sklaverei erinnert.



Pogrom
Gewaltsame Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten. Pogrome zielen auf die Zerstörung von Besitz, Wohnhäusern, Geschäften und religiösen Einrichtungen bis hin zur Ermordung von Menschen.



Purim
Freudenfest zur Erinnerung an die Rettung der Juden in der persischen Diaspora. Es ist üblich, sich an diesem Fest zu verkleiden.



Rabbi
Jüdischer Tora- und Talmud-Gelehrter, der die Gemeinde in religiösen Fragen und juristischen Angelegenheiten berät. Obwohl kein Priester, ist er oft als Seelsorger tätig, leitet Gottesdienste, vollzieht Trauungen und Beerdigungen und führt den religiösen Unterricht für Kinder und Jugendliche durch.



Schabbat
Der siebte Tag in der jüdischen Woche, ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Er beginnt jede Woche am Freitag bei Sonnenuntergang und endet bei Sonnenuntergang am Samstag. Diese Zeit soll ausschließlich mit Beten und innerer Ruhe gefüllt sein. Am Schabbat wünschen sich Jüdinnen und Juden „Schabbat Schalom“.



Schalom
Hebräisches Grußwort, das „Frieden“ bedeutet.



Schma Jisrael
Eines der wichtigsten Gebete im Judentum und ältester Ausdruck jüdischen Selbstverständnisses, dessen erster Satz die Einheit und Einzigkeit Gottes verkündet.



Sederteller
Teller, der am Sederabend, der zeremoniellen Mahlzeit am Beginn des Pessach-Festes, genutzt wird. Auf ihm liegen Speisen von symbolischer Bedeutung.



Sephardim
Jüdinnen und Juden und ihre Nachfahren, die bis zu ihrer Vertreibung auf der iberischen Halbinsel (Spanien und Portugal) lebten.



Shoah
Hebräische Bezeichnung für den Holocaust bzw. die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus.



Sukkot
Siebentägiges Laubhüttenfest zur Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel, in der die Jüdinnen und Juden ohne feste Häuser gelebt haben. Die Hütten (hebräisch: Sukka) haben kein festes Dach, es besteht aus Ästen, Stroh, Laub oder ähnlichem.



Synagoge
Jüdisches Gotteshaus, das als Versammlungsort für z.B. Gottesdienste dient, aber auch zum Unterrichten der Gemeinde genutzt wird.



Talmud
Eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Als zentrale Auslegung der Tora zeigt es auf, wie die religiösen Ge- und Verbotsregeln in der Praxis und im Alltag verstanden und umgesetzt werden können.



Tallit
Ritueller Gebetsmantel aus weißer Wolle, Baumwolle oder Seide mit blauen oder schwarzen Streifen an der Seite, der zum Morgengebet getragen wird. Die Fransen an seinen Ecken weisen 613 Knoten auf, die an die 613 Ge- und Verbote (Mitzwot) der Tora erinnern.



Tefillin
Gebetskapsel mit Riemen aus Leder, in der sich handgeschriebene Abschnitte der Tora auf Pergament befindet.



Tora
Glaubensbuch aus den fünf Büchern Mose bestehend, der erste Teil der jüdischen Bibel. Sie ist auf einer Rolle aufgewickelt, da im Judentum nicht nur die Worte heilig sind, sondern auch die Schriftrolle selbst. Das Papier darf daher nicht mit den Fingern berührt werden. 

 

// Text: Doris Wermelt, Sylvia Necker

 

Weiterführende Literatur:

Brämer, Andreas, Die 101 wichtigsten Fragen – Judentum, 3., akt. Aufl., München 2020.
Brumlik, Micha, Was stimmt? Judentum: Die wichtigsten Antworten, Freiburg 2007.
De Vries, Simon Ph., Jüdische Riten und Symbole, 17. Aufl., Reinbek bei Hamburg 2017.
Nachama, Andreas et al (Hrsg.), Basiswissen Judentum: Mit einem Vorwort von Rabbiner Henry Brandt, Freiburg  2015.

 

 

 

 

Kategorie: Kontext

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